Ein Tag auf Barben
von Michael Wenzel
Es ist ein lauer Sommerabend
im August und ich sitze gemütlich im Garten und überlege mir wo ich
am nächsten Tag auf Barben fischen soll. Ich entscheide mich für die
Ahr, denn gerade im Sommer macht es hier besonders Spaß auf diese Schlauen
und nicht so leicht an die Nymphe zu bringenden Gesellen zu pirschen. Mein Ziel
wird die Ahr bei Altenahr sein.
Es handelt sich hierbei um eine typische abwechslungsreiche Ahrstrecke. Rauschen mit anschließenden Gumpen, flachere ruhigere Partien und tiefe ruhig fließende Partien wechseln sich laufend ab. Die Breite beträgt ca. 6-12m. Den Fischbestand bilden: Bachforellen, Regenbogenforellen (weniger), Äschen, Döbel (in respektablen Größen) und wirklich tolle Barben.
Leider ist Altenahr (wie jeder Ort an der Ahr!) ein beliebtes Ausflugsziel und daher ist natürlich immer viel los, allerdings kann man Streckenweise trotzdem einigermaßen ungestört fischen. Auch der am oberen Ende der Strecke gelegene Campingplatz ist nicht ein so großes Problem. Außer wenn`s im Sommer sehr heiß ist, dann sitzen die Leute mit Stühlchen im Bach! Streckeneröffnung ist am 16. März, allerdings ist dann noch kein Besatz drin, was nicht heißen soll das keine Fische zu fangen sind. Wann besetzt wird kann man telefonisch erfragen, man muß dann aber damit rechnen das jeden Tag Halli Galli ist. Kartenausgabe: Haus des Gastes in Altenahr. Macht morgens erst um 9:00 (Sommer) bzw. 10:00 Uhr auf, man kann aber telefonisch vereinbaren, daß man früher fischen möchte und wirft seinen Fischereischein in den Briefkasten. Holt man dann später einfach ab. Es werden max. 5 Karten pro Tag ausgegeben. Tageskartenpreis: 15,-€ Telefon: 02643/8448
Ich lasse es am nächsten Morgen ganz gemütlich angehen und bin erst gegen 9:15 Uhr am Haus des Gastes um meine Karte zu holen. Nach einem kleinen Plausch ziehe ich mich in aller Ruhe um und schlendere zum Wasser. Während ich die Rute aufbaue, sehe ich es hin und wieder im Wasser aufblitzen. Aha, da sind sie also wieder und genau an der vermuteten Stelle. Auch scheinen sie heute wieder sehr aktiv zu sein, was beim Barbenfischen schon ein recht entscheidender Vorteil ist. Denn selbst wenn sie aktiv sind ist es wie bereits gesagt gar nicht so einfach sie an den Haken zu bringen. Wenn sie jedoch nicht aktiv sind............................ .
Die
Stelle, die ich mir ausgesucht habe, möchte ich einmal kurz beschreiben.
Nach einer breiten, relativ flachen rausche (siehe Bild oben) zieht die
Hauptströmung nach rechts unter die Bäume. Dort befindet sich eine
ca. 1,20 m tiefe Rinne (Normalwasserstand), die nach ungefähr 30 m in Höhe
des Baumes (siehe Bild rechts) langsam wieder flacher wird. Die Barben
stehen genau in dieser Rinne, wobei sich die höchste Konzentration mit
den stärksten Einzelstücken auf die ersten 15-20 m verteilt. Ungefähr
dort, wo die Bäume auf dem oberen Bild enden, steige ich behutsam ins Wasser
ein, denn ich will die Fische ja nicht gleich total verschrecken. Barben sind
zwar nicht so empfindlich aber wer weiß was sich hier noch so tummelt.
Ein Sinkvorfach habe ich schon montiert und jetzt kommt wieder die alles entscheidende
Frage, welche Fliege soll ich nun nehmen? Ich entscheide mich für die "Nasennymphe",
eine Fliege die in "Der Fliegenfischer" Heft 149 vorgestellt
wird, und binde sie an. Die ganze Montage werfe ich etwa 10-12m stromauf und
lasse sie durch die Rinne treiben. Beim Barbenfischen muß man meistens
ganz tief runter mit seinen Nymphen und da bleibt es natürlich nicht aus,
daß man ziemlich oft am Grund hängen bleibt. Das sieht dann genauso
aus als hätte ein Fisch die Fliege genommen. Deshalb habe ich mir angewöhnt,
bei jeder noch so winzigen Reaktion des Bissanzeigers, oder wenn man ohne fischt,
des Überganges zwischen Schnur und Vorfach, sofort anzuschlagen. Dieser
Anhieb sollte zwar schnell aber nicht mit aller Härte erfolgen, denn wenn
man am Grund hängt und die Nymphe mit aller Vehemenz in den Untergrund
hämmert, hat man wenig Chancen sie wieder herauszubekommen. Zusätzlich
verharre ich nach dem Anhieb noch einen Moment lang, denn Barben haben öfters
die Angewohnheit direkt nach dem Biss einfach auf der Stelle stehen zu bleiben.
Dann erst setzen sie sich zur Wehr aber dann richtig! Es bedarf schon einiger
Anstrengung eine Barbe, auch wenn sie noch nicht so groß ist, aus der
Strömung zu drillen, denn sie sind Grundfische und dahin zieht es sie auch
im Drill immer wieder sehr eindrucksvoll. Eine Sache möchte ich hier aber
noch anmerken. In der Literatur liest man hin und wieder, daß Barben wenn
sie gehakt sind scharfe Fluchten hinlegen würden und das sie sogar bis
ins Backing abziehen sollen. Diese Erfahrungen kann ich nicht bestätigen,
sondern es ist eher umgekehrt. Eine gehakte Barbe versucht immer wieder zum
Grund zu stoßen und dort zu bleiben. Dabei nutzt sie die Strömung
sehr geschickt aus. Die "Fluchten" wenn man es mal so beschreiben
möchte, fallen doch eher gering aus. Jedoch ist es diese ungewöhnliche
Kraft und Sturheit, die mich im Drill immer wieder fasziniert. Jeder der es
selbst schon mal erlebt hat, weiß wovon ich rede!
Ich
lasse die Montage wieder und wieder durch die Rinne treiben und nachdem ich
schon ein paar mal am Grund festgehangen habe bleibt der Bissanzeiger plötzlich
wieder stehen. Nach einem kurzen, trockenen Anhieb verharre ich einen Moment
wie oben beschrieben, und dann kommt Leben in die Rute. Ich bin an einem schönen
Fisch fest, der alles versucht dieses lästige Ding, das so fressbar ausgesehen
hat wieder loszuwerden. Doch ich behalte die Oberhand und nach einem kurzen
aber heftigen Drill kann ich einen schönen Fisch landen (siehe Bild
links). Die "Nasennymphe" sitzt rechts außen in der wulstigen
Lippe und da ich ohne Widerhaken fische ist sie auch problemlos zu entfernen.
Ich setze den Fisch zurück und fische weiter. Schon nach kurzer Zeit haben
sich die Fische beruhigt und gehen wieder der gewohnten Fressaktivität
nach, was ich gut durch das "Blinken" am Grund feststellen kann.
Bei einem der nächsten Würfe hätte mich fast der Schlag getroffen! Die Montage war vielleicht einen Meter weit gekommen, da attackierte plötzlich eine sehr schöne Bachforelle meinen Bissanzeiger mit einer ungeheuren Wucht. Mein erster Gedanke war, du A....loch mußt Du mich so erschrecken! Mein zweiter Gedanke war, daß ich doch versuchen könnte ihn auch ein bißchen zu zanken.............. . Doch es kam wie es kommen mußte. Alle versuche diese Forelle für irgendeine meiner Fliegen zu begeistern schlugen natürlich fehl und da ich keine "Bissanzeigerfliegen" besitze, ließ ich es dann sein. Außerdem war ich ja zum Barbenfischen hierher gekommen und so befischte ich wieder die Rinne. Im laufe der nächsten beiden Stunden konnte ich dann noch einige schöne Fische überlisten, bevor ich mich entschloß noch einen anderen Platz aufzusuchen.
Auf dem Weg dorthin traf ich an einer Stelle auf einen kleinen Schwarm Döbel im Flachwasser. Es waren auch ein paar sehr schöne Exemplare dabei. Einer solchen Versuchung kann ich nur selten widerstehen, denn Döbel sind immer eine Herausforderung und erst recht im Flachwasser! Aber ein langes Trockenvorfach und eine kleine Käferimitation sollten es doch bringen. Gesagt getan und schon beim ersten Wurf faßte einer der kleineren Burschen zu und wurde nach kurzem Drill wieder entlassen. Der Schwarm hatte natürlich das Weite gesucht und sich etwa zehn Meter oberhalb wieder versammelt. Jedoch blieben alle weiteren Versuche erfolglos und so ging ich weiter an den Platz, den ich mir vorher überlegt hatte, um es noch einmal auf Barben zu versuchen.
Diese
Stelle ist ein wenig anders als die erste (siehe Bild links).
Hier befindet sich zwar auch eine flachere rausche oberhalb, allerdings wird
es direkt dort, wo der helle Stein zwischen den Büschen liegt, tief. Der
Untergrund ist hier mit großen Steinen verblockt und dazwischen liegen
ganze Barbenschulen. Die Präsentation der Nymphe ist hier äußerst
schwierig und hängerträchtig, wenn man jedoch mal eine saubere Drift
hinbekommt, dann kann es passieren, daß man wirklich starke Exemplare
an den Haken bekommt. Die größten die ich aus diesem Zug fangen konnte
waren so um die 65cm. Für ein so relativ kleines Gewässer wie die
Ahr schon nicht schlecht. Es gibt mit Sicherheit auch noch größere,
aber die sind bis jetzt vor mir sicher gewesen.
Hier versuchte ich es, und auf verschiedene Muster konnte ich nun noch Erfolge verbuchen, wobei an diesem Tag die "Nasennymphe" am erfolgreichsten war. Einen der letzten Würfe des Tages setzte ich dann fast bis ins Weißwasser und bekam sofort einen Biss. Ich schlug an und nach kurzem Drill war ich sehr angenehm überrascht, daß eine Äsche zu so fortgeschrittener Jahreszeit noch eine so große Nymphe genommen hatte. Ich setzte auch diesen Fisch wieder zurück und machte mich auf den Weg zum Auto.....................
Es gibt noch einige weitere Strecken an der Ahr an denen man Tageskarten bekommt. Die Interessanteste von diesen, ist meiner Meinung nach die in Mayschoß. Vom Profil her wie oben beschriebene Strecke, jedoch ist nicht so viel los. Der Bach fließt hier zum Teil unterhalb der Strasse vorbei, was man aber kaum merkt. Im unteren Teil ist es wirklich schön, weil man da ziemlich ungestört sein kann. Es gibt tolle Gumpen mit starken Fischen (aber natürlich nicht leicht zu fangen!). Streckeneröffnung ist hier erst am 1.Mai, da ist dann allerdings schon Besatz drin. Kartenausgabe: Gaststätte " Weinhaus Kläs" direkt am Ortseingang von Mayschoß auf der linken Seite, wenn man von Altenahr her kommt. Wann man die Karten abholen kann muß man telefonisch erfragen. Es werden hier max. 3 Karten pro Tag ausgegeben. Tageskartenpreis: 15,- € Telefon: 02643/1657